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Wali und Muwalah: Verbündeter, nicht Freund

Kein Freund, sondern Verbündeter. Ein Übersetzungsfehler mit Folgen.

Kareem C.
3 Min. Lesezeit

Wali bezeichnet den Verbündeten oder Schutzherrn, Muwalah das Verhältnis der Bündnistreue. Die verbreitete deutsche Übersetzung „Freund" ist ein Fehler mit Folgen — sie hat mehrere Quranverse zu etwas gemacht, das sie nicht aussagen.

Woher das Wort kommt

Die Wurzel w-l-y trägt die Bedeutungen: unmittelbar aufeinanderfolgen, einer Gruppe im Frieden wie im Krieg nachfolgen, unterstützen, nahestehen. Aus derselben Wurzel kommen wilaya, die Herrschaft, und al-Wali als einer der Namen Allahs: der Verwalter und Beistandleistende. Ein wali ist im Recht auch der Vormund und der Ehevormund.

Der Übersetzungsfehler

Der Islamologe Amir Zaidan weist darauf hin, dass die bekannten deutschen Quranübertragungen von Rudi Paret und Ludwig Ullmann wali in Sure 3, Vers 28, Sure 4, Vers 144 und Sure 5, Vers 51 mit „Freund" wiedergeben. Bei Paret liest sich das dann so: „Nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden."

Zaidan überträgt dieselben Stellen mit Verbündeter beziehungsweise Intimus. Der Unterschied ist erheblich. Es geht in diesen Versen um Bündnistreue in einer Lage von Krieg und Bedrohung — darum, wem man im Ernstfall zugehört —, nicht um persönliche Zuneigung, Nachbarschaft oder Kollegialität.

Was stattdessen gilt

Dass diese Verse keine Absage an gute Beziehungen sind, sagt der Quran an anderer Stelle selbst, und Zaidan führt die Stelle in derselben Begriffsbestimmung an: Allah verbietet euch nicht, gegenüber denen, die euch nicht des Din wegen bekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig und gerecht zu sein — Allah liebt die Gerechten.

Beides steht also nebeneinander, ohne Widerspruch: keine Bündnistreue gegen die eigene Gemeinschaft, und zugleich Güte und Gerechtigkeit gegenüber allen, die einen nicht bekämpfen. Wer in Deutschland Nachbarn, Kollegen und Freunde hat, die keine Muslime sind, bewegt sich in dem, was der zweite Vers ausdrücklich zulässt.

Zaidan beschreibt Muwalah als die Verpflichtung, der eigenen Gemeinschaft Vorrang einzuräumen und sie zu pflegen und zu bewahren. Auch das ist eine Aussage über Zugehörigkeit und Loyalität, nicht über den Umgang im Alltag.

Nicht zu verwechseln mit

Dem Wali im Sinne eines verehrten Gottesfreundes. Dieselbe Vokabel, andere Verwendung; sie gehört in den Zusammenhang von Tasawwuf und ist dort umstritten.

Häufige Fragen

Darf man mit Nichtmuslimen befreundet sein? Ja. Sure 60, Vers 8 nennt Güte und Gerechtigkeit gegenüber denen, die einen nicht bekämpfen, ausdrücklich als erlaubt.

Warum wird der Vers dann so zitiert? Weil die Übersetzung „Freund" ihn zu etwas anderem macht. Der Fehler wird von beiden Seiten benutzt — von Islamkritikern als Beleg und von Extremisten als Rechtfertigung.

Was heißt Wali im Eherecht? Dort bezeichnet er den Vormund der Braut; siehe Nikah.

Quellen

  • Güte und Gerechtigkeit gegenüber denen, die einen nicht bekämpfen: Quran, Sure 60, Vers 8.
  • Die Verse über Bündnistreue: Quran, Sure 3, Vers 28; Sure 4, Vers 144; Sure 5, Vers 51.
  • Zur Übersetzung und zur Kritik an „Freund": Amir Zaidan, Begriffsbestimmung von al-muwaalaah / al-waliy, Islamologische Enzyklopädie.

Verwandte Begriffe: Kufr und Kafir, Ummah, Din.

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KC

Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

Fachlich geprüft

Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Begriffsbestimmungen gegen die Islamologische Enzyklopädie von Amir Zaidan, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen.

Weitere Begriffe

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Jahiliyya
Die Zeit vor dem Islam. Gemeint ist nicht Bildungsmangel, sondern eine Haltung.
Ghaib
Alles, was der Wahrnehmung entzogen ist. Der Glaube daran steht gleich am Anfang des Quran.
Wahy
Die Offenbarung an einen Propheten. Sie kam in mehreren Formen und über 23 Jahre.

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